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Ines Odaischi an Ministerialrat Hüttinger

 

Ines Odaischi

Von: Ines Odaischi [mailto: Bu e-Posta adresi istenmeyen posta engelleyicileri tarafından korunuyor. Görüntülemek için JavaScript etkinleştirilmelidir. ]
Gesendet: Dienstag, 2. Januar 2007 10:12
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Betreff: Schächten/Ihr Brief v. 15. 12. 06 FH3-0142-625 - Herr Hüttinger


Sehr geehrter Herr Ministerialrat Hüttinger,

mir liegt Ihr Schreiben an Frau Schollmeyer, 1. Vors. d. AK für humanen Tierschutz und gegen Tierversuche e.V., dessen Mitglied ich bin, vor.

Bitte, richten Sie Herrn Minister Dr. Beckstein, in dessen Auftrag Sie schreiben, folgendes aus:

Ich entnehme dem letzten Absatz Ihres Schreibens, daß Bayern gar nicht daran denkt, die erneute Bundesratsinitiative Hessens zu unterstützen. Alle Argumente, die Sie in dem Zusammenhang vorbringen, habe ich schon xmal gehört und gelesen, und keines davon ist stichhaltig. Jetzt schreiben Sie doch bitte ein einziges Mal ehrlich, warum Bayern die Inititative nicht unterstützen will. Befürchtet Bayern Einbußen bei den Schäfereien? Ich kann Sie beruhigen: Die Muslime feiern ihr Opferfest mit und ohne Betäubung der Schafe; denn Ihnen dürfte ja inzwischen nicht entgangen sein, daß die maßgeblichen Autoritäten beider Richtungen des Islam die Betäubung freigegeben haben. Selbst dieser Herr Altinküpe schächtet mit und ohne Betäubung - oder sollte dies ausgerechnet Bayern entgangen sein? Der Wirbel, den er macht, hat allein politische Gründe; sollte dies ausgerechnet wiederum Bayern entgangen sein? Oder möchten Sie schlicht die Schäfereien vor Investitionen, also vor der Anschaffung von Betäubungsinstrumenten bewahren, die eine qualfreie Tötung der Tiere ermöglichen? Ich kann nicht glauben, daß Sie aus politischem Kalkül heraus, Tierquälerei hinnehmen, etwa nur um gewisse Wähler einer gewissen Partei nicht zu verärgern.

Ein Satz in Ihrem Brief ist mir besonders aufgefallen; ich gebe ihn hier fettgedruckt wieder:

"Ausnahmegenehmigungen betreffen im praktischen Vollzug vor allem Menschen muslimischen Glaubens und die jüdische Religionsgemeinschaft."

Schon die Wendung "vor allem" ist lächerlich; wer wünscht denn sonst noch betäubungslos zu schächten?

Die zweite Wendung, die mir sehr unangenehm auffällt, ist nicht lächerlich, aber ungemein ärgerlich:

"die jüdische Religionsgemeinschaft" gibt es nicht. Es gibt aber Menschen jüdischen Glaubens und das in seiner Ausprägung überaus vielfältige Judentum. Sollte dies in Bayern nicht bekannt sein, bin ich gerne bereit, für Sie das Buch von Gilbert S. Rosenthal und Walter Homolka, Das Judentum hat viele Gesichter - Die religiösen Strömungen der Gegenwart - zu bestellen und Ihnen zuzusenden.

Ganz sicher gibt es das orthodoxe Judentum, das weiterhin auf dem betäubungslosen Schächten besteht, aber ganz genauso gibt es Menschen jüdischen Glaubens, die das betäubungslose Schächten ablehnen. Die "zwingende Vorschrift", die schon das TierSchG fordert, gibt es allerdings auch im Judentum nicht, denn mir ist nicht bekannt, daß irgendjemand jüdischen Glaubens aus seiner Gemeinde ausgeschlossen wird, nur weil er Fleisch von betäubt beschächteten Tieren ißt. - Im Gegenteil, jeder darf im Judentum offen seine eigene Meinung vertreten, als sehr gutes Beispiel gebe ich hier ein Zitat wieder, das nicht von irgend jemandem stammt, sondern immerhin vom Ehrenpräsidenten der Israelitischen Cultusgemeinde Zürich, Herrn RA Dr. Sigi Feigel (aus einem Interview der Coopzeitung vom 9. 2. 02):

Frage Coopzeitung: "Was spricht also gegen eine Betäubung der Tiere vor dem Halsschnitt?"

Antwort Herr Dr. Feigel: "Es ist eine religiöse Vorschrift. Aber heute gibt es Betäubungsmethoden. Und ich sehe nicht ein, weshalb man ein Tier nicht betäuben soll, um ihm so die Todesangst zu ersparen. Dass die Tiere Todesangst ausstehen, beweisst, dass sie die Flucht ergreifen wollen. Der Schöpfer kann also nichts gegen eine Betäubung haben, wenn seinen Geschöpfen die Todesangst erspart bleibt. Wenn damit ein religiöses Verbot verletzt wird, bin ich bereit, vor dem Schöpfer diesen Standpunkt zu vertreten. Wenn wir Tiere schon essen, dann soll wenigtens ihr Tod so schonend wie möglich erfolgen!"

Mir ist nicht bekannt, daß Herr RA Dr. Feigel als Ehrenpräsident der israelitischen Cultusgemeinde Zürich abgesetzt geschweige denn aus der jüdischen Religionsgemeinschaft überhaupt ausgeschlossen wurde. Was glauben Sie, wieviele Menschen jüdischen Glaubens so denken wie Herr Dr. Feigel und wieviele Menschen jüdischen Glaubens gerade wegen des betäubungslosen Schächtens zu Vegetariern wurden!

Im übrigen finde ich es sehr gefährlich, einige spezielle Muslime auf der "jüdischen Welle" reiten zu lassen, und das tun Sie, wenn Sie einfach unbesehen von der jüdischen Religionsgemeinschaft sprechen, ohne zu differenzieren, so daß man schon auf den Gedanken kommt, daß sie bei Ihnen eine Alibifunktion besitzt.

Sofern Menschen jüdischen Glaubens der orthodoxen Richtung angehören, so daß sie aus Gewissensgründen nur unbetäubt geschächtete Tiere essen können, schlage ich Ihnen das Schweizer Modell vor. Im übrigen muß überhaupt niemand Tiere essen, das beweisen schon die Menschen jüdischen Glaubens die gleichfalls aus Gewissensgründen ganz auf Fleisch verzichten, so wie viele Menschen christlichen Glaubens und vielleicht sogar Menschen muslimischen Glaubens auch. Ich z. B. bin Vegetarierin geworden, weil ich die heutigen Zustände bei der Tierhaltung, beim Transport der Tiere und auch auf hiesigen Schlachthöfen ablehne. Ich denke, das kann man notfalls von jedem erwarten, der mit seinem Gewissen in Konflikt gerät, sogar von Menschen jüdischen Glaubens der orthodoxen Richtung. Aber das wird ja noch nicht mal verlangt, und ist auch nicht nötig, wie die Schweiz beweist.

Wissen Sie, Herr Ministerialrat Hüttinger, ich bin garantiert nicht antisemitisch, aber ich habe ziemliche Probleme mit Muslimen, die allein aus politischen Gründen hier in Deutschland unnötigen Wirbel erzeugen - und langsam bekomme ich auch noch ein Problem mit Bayern!

Mit freundlichen Grüßen

Ines Odaischi
Färbergasse 13
68526 Ladenburg

 

 



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