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Sekreteriat der deutschen Bischofskonferenz 4.10.1993

Die Verantwortung des Menschen für das Tier Arbeitshilfen Nr. 113 Herausgeber: Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Kaiserstr. 163, 53113 Bonn. Franziskustag, Bonn, 4. Oktober 1993 Prälat Wilhelm Schätzler, Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz. Der Tierschutz ist ein besonders deutlicher Bereich der menschlichen Verantwortung für die Schöpfung. Tiere sind lebende und fühlende Mitgeschöpfe des Menschen, die einen Eigenwert in Gottes guter Schöpfung haben. Deshalb wird Tierschutz heute immer mehr als eine sittliche Verpflichtung empfunden. DIe Ausrottung einer ganzen Tierart kann im ungünstigsten Falle zu empfindlichen Störungen des Gleichgewichts in dem betroffenen Ökosystem führen. Bedrohte Tierarten zu schützen, hat man sich erfreulicherweise in internationalen Artenschutzabkommen geeinigt. Auf die Einhaltung dieser Abkommen muss hingearbeitet werden. Zudem stellt das Faktum, dass der Mensch nach dem Ebenbild Gottes geschaffen ist, diesen folgerichtig vor die Aufgabe, Repräsentant Gottes in der Schöpfung zu sein. Denn Stellvertretung bedeutet doch, im Sinne des eigentlichen Souveräns zu agieren. Da man selbst nicht möchte, dass einem Schmerzen ohne vernünftigen Grund zugefügt werden, ist es ethisch bedenklich, dies einem anderen schmerzempfindenden Wesen ohne ebensolchen Grund anzutun. Tierversuche Tierversuche an lebenden Tieren sind einzudämmen und Versuche an Zellkulturen vorzunehmen. Es ist eine ethische Pflicht, bereits bestehende Tierversuchsergebnisse umgehend einer breiten wissenschaftlichen Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, auch wenn die ökonomische Umsetzung von Ergebnissen der Tierversuche darunter leiden sollte. Tierversuche zum Zwecke der Erforschung von Kosmetika sind sittlich unerlaubt. Nutztierhaltung Dort wo Tiere in beträchtlicher Stückzahl zum Zweck der Nahrungsmittelproduktion gehalten werden, sie offensichtlich darunter leiden und oftmals sogar körperliche Schäden davon tragen, sind grundsätzliche Bedenken anzumelden. Wir müssen uns fragen, ob etwa der Genuss eines täglichen Stückes Fleisch das Leid von Tieren in großer Zahl rechtfertigen kann. Es muss darauf gedrängt werden, den Tieren eine artgerechte Unterbringung zu gewähren. Diese Kriterien gelten nicht nur für die Massentierhaltung, sondern für jegliche Form der Haustierhaltung. Der Lebendtransport von Schlachtvieh wird von den Händlern gewählt, weil er billiger, die Fleischqualität des lebenden Tieres länger zu erhalten und besser zu beurteilen ist. Diese wirtschaftlichen Vorteile gleichen jedoch den oftmals tagelangen, für die Tiere quälenden Transport nicht aus, so dass auf eine Unterbindung dieser Methode gedrängt werden muss. Luxusprodukte sind nicht notwendig und daher ist ihre Herstellung, soweit Tiere davon betroffen sind, sittlich unerlaubt, z.B. Pelzmantel, Gänsestopfleber, Froschschenkel. Gentechnik Sowohl die Problematik der Tierversuche als auch die der Massentierhaltung wird beträchtlich verschärft, wenn sie mit der Frage einer gentechnischen Veränderung der Versuchs- und Nutztiere einhergeht. Hier geschieht ein massiver Eingriff in die von der Schöpfung vorgegebenen Integrität (Unversehrtheit) der betroffenen Tiere. Der Eingriff in die Keimbahn eines Lebewesens bedeutet unweigerlich eine tiefgreifende Veränderung seines Wesens. Das gilt für Tiere ebenso wie für den Menschen. Gentechnische Manipulationen verändern die Lebewesen jedoch in derart schneller, tiefgreifender und häufig nicht umkehrbare Weise, dass diese Verfahren nicht einfach bedenkenlos hingenommen werden können. Der Mensch ist vom Schöpfer berufen, als sein Repräsentant und Beauftragter die Welt in Ehrfurcht vor allem Geschaffenen zu begegnen, die Welt zu gestalten, sie zu nutzen und ihrer Erhaltung zu dienen. "Macht euch die Erde untertan..." Gen. 1,28" ist kein Freibrief zur willkürlichen und egoistischen Ausbeutung der Natur, sondern Fürsorge und Verantwortung für die Schöpfung und alles Leben in ihr. Wie wenig die Tiere menschlicher Willkür preisgegeben werden, kann man auch daran erkennen, dass nach dem ersten Schöpfungsbericht Mensch und Tier nur vegetarische Nahrung zugewiesen wird. (Gen. 1,29) Der Mensch weicht nach der Bibel von Anfang an seiner göttlichen Bestimmung zur Welterhaltung und Weltgestaltung aus und fügt dadurch nicht nur sich, sondern auch seinen Mitgeschöpfen und der Erde Schaden zu. Durch Jesu Tod und Auferstehung ist Heil in die Welt gekommen, das die ganze Schöpfung umfasst. Darauf weist Paulus im Römerbrief 8,19-22 hin, wenn er von der Hoffnung auf die Erlösung der Welt spricht. Die Erlösungstat Jesu Christi erstreckt sich nach dem Neuen Testament nicht nur auf die Menschen, sondern auf alle Kreaturen, ja auf den ganzen Kosmos (Kol. 1,15-20, Eph 1,3-14). Durch Jesus Christus ist die Heilung der Schöpfung und ihre Rückführung zu Gott unwiderruflich in Gang gekommen. Dieser Prozess nimmt die Christen in eine besondere Pflicht. Das Ziel der Wege Gottes ist nicht nur die Erneuerung der Menschheit, sondern zugleich die Erneuerung der ganzen Schöpfung. Von daher ergibt sich die besondere Verantwortung des Menschen für Gottes Schöpfung. Die christliche Anthropozentrik wird heutzutage oft als entscheidende Ursache für die Umweltzerstörung hingestellt. Die außermenschliche Schöpfung habe dadurch ihren sakralen, unantastbaren Charakter verloren. Eine Neubesinnung auf die biblischen Schöpfungserzählungen kann die anthropozentrische Sicht aufbrechen auf die Theozentrik der Schöpfung. Dadurch könnte deutlich werden, dass die Umwelt nicht beliebiges Rohmaterial für den Menschen ist, sondern Hinweis auf den Schöpfer. (Weisheit 13,1-5). Die Bézeichnung des Menschen als "Krone der Schöpfung" ist in der Bibel nicht zu finden. Jüdisch-christliche Anthropozentrik sollte stehts auf Gott bezogen sein und somit verantwortlich ist für die Schöpfung und den Umgang mit ihr. Tierquälerei ist für die biblischen Autoren ein religiöses Vergehen. Das Tier ist mehr als ein Objekt. Christliche Ethik kann sich nicht auf den Menschen allein beziehen, sondern muss tierisches und pflanzliches Leben, ja auch die leblose Natur, mit einbeziehen. Der Mensch ist verpflichtet, seine unwandelbare Verwurzelung in der Natur anzunehmen und auszugestalten, statt durch herrschaftliches Gehabe seinen Lebensraum und damit sich selbst zu gefährden. Der Mensch ist gehalten, den Eigenwert seiner Mitgeschöpfe zu achten, nicht durch einen auf totale Nutzung gerichteten Fortschrittsglauben die Natur bloß vordergründig nach ihrem Gebrauchswert zu bemessen. Dinge und Tiere haben ihren Sinn und ihren Wert, gerade auch in ihrem bloßen Dasein, ihrer Schönheit und ihrem Reichtum. Der Mensch ist gehalten, die Welt als Gleichnis Gottes zu verwalten und zu erhalten. Dem klassischen Anliegen des Tierschutzes muss mehr Beachtung geschenkt werden. Das Leben ist eine kostbare Gabe -- für den Menschen, ebenso wie im Blick auf andere Lebewesen und die Existenz von Leben überhaupt, denn Gott ist der Schöpfer und Schützer allen Lebens. Schlachtung Die Schlachtung von Tieren zum Zwecke der menschlichen Ernährung ist der am meisten verbreitete Ausdruck des Gewaltverhältnisses zwischen Mensch und Tier und stellt daher für die Förderung mitgeschöpflichen Verhaltens das schärfste Problem dar. Nach heutigen ernährungswissenschafltichen Erkenntnissen ist Fleisch für eine gesunde und vollständige Ernährung nicht nötig. Rituelle Schlachtung Bei der rituellen Schlachtung sollte zu Gunsten der Tiere bedacht werden, dass ein Blutentzug am lebenden Tier vorzunehmen ist. Genau diese Forderung wird durch eine Betäubung nicht in Frage gestellt. Jagd Das Vergnügen an der Jagd entspringt tiefsitzenden menschlichen Verhaltensmustern. In ethischer Betrachtung stellt sich aber die Frage, ob der Mensch so bleiben soll wie er ist, oder ob er sich im Sinne der Mitgeschöpflichkeit fortentwickeln, also verändern soll. Dabei geht es darum, ob das Töten von Tieren jemals eine Form der Vergnügung sein kann und sein darf. Teilnehmer an Jagdgesellschaften sind auch nicht immer die besten Schützen und den Tieren wird unnötiges Leiden und Schmerzen zugefügt Besuchen Sie... Galerie Zähler Diese Seite heute Insgesamt: 2 einzigartig.: 2 Diese Seite insgesamt Insgesamt: 5297 einzigartig.: 2604 Seite. 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